Topos und Helios – bewusst und unbewusst?

Beide Sichtweisen der Konstellation, topozentrisch wie heliozentrisch, können wirksam sein. Eine Entscheidung darüber, welche von beiden im Einzelfall relevanter ist, kann allein aufgrund der Konstellation nicht getroffen werden. Es ist nur festzustellen, dass eine Perspektive gegenüber der anderen in den Vordergrund treten kann. Am plausibelsten erscheint derzeit folgender Zusammenhang:

- Besteht ein in der astrologischen Definition starker Einfluss eines Faktors in einer der beiden Konstellationen, ist er wirksam.

- Liegt ein solcher Einfluss in beiden Konstellationen vor, ist er besonders bedeutsam und macht sich bei einer Mehrheit der von ihm Betroffenen deutlich bemerkbar.

- Problematisch ist ein Widerspruch zwischen Helio- und Topozentrik wie beispielsweise in der Thematisierung eines expansiven Mars durch einen Hauptaspekt (HA) zu Jupiter gegenüber der Thematik der Beschränkung des Spontanantriebs durch einen HA von Mars zu Saturn. Derartige Gegensätze können zu inneren Konflikten führen, die deutlich massiver sind als solche, die durch einen gleichartigen Widerspruch innerhalb einer Konstellation entstehen. Sie können aber auch durch ein völliges Zurücktreten eines der „Kontrahenten“ vermieden werden. Das im Einzelfall resultierende Ergebnis scheint in ganz besonders hohem Maße von den individuell wirksamen Sozialisationseinflüssen und Umweltbedingungen abzuhängen.

- In den meisten Fällen verändern die Merkmale der heliozentrischen Konstellation den Wirkungscharakter der beteiligten Planeten in der topozentrischen. Besteht zum Beispiel heliozentrisch ein exaktes Venus-Saturn-Quadrat und topozentrisch eine Mond-Venus-Konjunktion, wird der Venuseinfluss saturnal modifiziert, ohne dass topozentrisch eine Wechselwirkung mit Saturn vorliegen muss. Zur Verwobenheit und damit hohen Bedeutung von Gefühl und Empfindung tritt nun die Thematik der Beschränkung und Begrenzung, der Normen und Regeln. Eine eigentlich stark an Emotionen und Empfindungen ausgerichtete Persönlichkeit entwickelt Tendenzen, diese Anteile einer Prüfung an gesellschaftlichen Normen zu unterziehen, gleich, ob diese tatsächlich aktuell bedeutsam sind oder nur Folgen einer Verinnerlichung ihr in der Vergangenheit vermittelter Normdefinitionen darstellen. Die emotionale Spontaneität wird dadurch gedämpft, kann im Extremfall sogar völlig unterdrückt werden. Das ist ja als mögliche Wirkung von Mond-Saturn-Aspekten innerhalb der topozentrischen Konstellation gut bekannt. In diesem Fall aber, bei Fehlen eines solchen Aspekts, bleibt das Zurücktreten des Themas Emotionen ohne Berücksichtigung der Heliozentrik unerklärlich.

Bei meiner intensiven Auseinandersetzung mit den topo-/heliozentrischen Widersprüchen drängte sich mir der Eindruck auf, dass die topozentrische Konstellation tendenziell eher den bewussten Umgang mit der Lebensrealität betrifft. Die heliozentrische dagegen stellt unbewusste Bezüge zwischen den PA her, die diese „bewusste Oberfläche“ beeinflussen. Sie bildet Thematisierungen, also Schwerpunkte der Wahrnehmungs- und Reaktionsbereitschaft ab, die kaum vom Ich-Bewusstsein kontrolliert werden können. Bezogen auf das letzte Beispiel bedeutet das: Die Normenkontrolle erfolgt gänzlich unbewusst, die von ihr geförderte Unterdrückung der spontanen Emotionalität dagegen ist der betroffenen Person durchaus bewusst. Besteht das Venus-Saturn-Quadrat aber topozentrisch, kann ihr auch der Kausalzusammenhang ihrer emotionalen Beschränkung mit der saturnalen Kontrollfunktion bewusst sein.

Nun ist aber die fehlende Bewusstheit struktureller Anlagekomponenten bereits ein Problem bei der herkömmlichen topozentrischen Konstellation. Wenn jeder Mensch wüsste, was „in ihm schlummert“, wie seine Wahrnehmung strukturiert ist, über welche Reaktionsbereitschaften er eigentlich verfügt, gäbe es psychische Probleme nur in erheblich geringerer Menge. Denn sie entstehen ja durch Widersprüche zwischen Persönlichkeitsstruktur und Lebenswirklichkeit. Offenbar sind die Komponenten der heliozentrischen Struktur ihrer Wahrnehmung noch schwerer zugänglich. Es gäbe demnach zwei verschiedene „Grade des Unbewussten“, zwei Kategorien der Persönlichkeitsstruktur. Eine seltsamer Gedanke, der mir selbst nicht besonders gut gefällt. Da wir aber, kritisch betrachtet, vom Zusammenspiel zwischen Bewusstsein und Unbewusstem immer noch recht wenig wissen, sollte dieser Gedanke weiterverfolgt werden.

Obwohl die Zusammenhänge zwischen Topo- und Heliozentrik recht plausibel und auch offensichtlich erscheinen, ist ihre genaue Analyse also schwierig. Denn es ist fast unmöglich, eine so umfassende Kenntnis einer Persönlichkeit zu gewinnen, dass der Grad der Bewusstheit ihrer Reaktionstendenzen einschätzbar wird. Das aber wäre nötig, um zwischen den Wirkungen der Strukturen differenzieren zu können.

Die Bedeutung der heliozentrischen Konstellation und die Art und Weise ihrer Wechselwirkungen mit der topozentrischen sind also noch nicht abschließend geklärt. Ihr Einfluss ist aber eindeutig vorhanden. Wir können sie auch ohne Detailkenntnisse ihrer Bedeutung durchaus nutzen, wenn wir sie als etwas auffassen, das eine Art Vorprägung der topozentrischen Wirkung der Konstellationsbestandteile bedingt.

 

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      Der Autor dieser Seite:

      Bernt Hunze

 

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